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Jagjit Singh
Jagjit Singh ist heute einer der berühmtesten Ghasel-Sänger Indiens.
Sein Name bedeutet in Sanskrit „Der die Welt erobert hat“ (jag = Welt, jit = Sieg).
Jagjit Singh wurde am 08.02.1941 in Ganganagar (Rajasthan) geboren. Von Kindheit an beschäftigte er sich mit indischer klassischer Musik und studierte bei verschiedenen Meistern. Auf der Suche nach Aufstiegschancen ging er 1965 nach Bombay und begann auf Hochzeitsfeiern und für Werbespots zu singen.
Bald eroberte er sich einen Platz unter den Ghasel-Sängern Indiens. Sein Album „The Unforgettables“ (1976) wurde außerordentlich erfolgreich. Seine neue Art der Interpretation von Ghasels fand insgesamt sehr viel Anklang.
1967 lernte Jagjit Singh die Ghasel-Sängerin Chitra kennen. Es kam zu gemeinsamen Auftritten und Alben. 1969 heirateten sie und setzten als Ehepaar ihre Arbeit für Jahre fort.
Als ihr damals 21 jähriger Sohn Vivek bei einem Unfall ums Leben kam, zog sich Chitra zurück und hörte auf zu singen. Jagjit Singh arbeitete weiter, jedoch schlug sich dieser Schicksalsschlag auf seine Texte und Kompositionen nieder.
Trugen frühere Alben meist englische Titel, so benannte er spätere in Urdu und es werden ihm eine noch bessere Auswahl der Texte sowie eine noch ausdrucksstärkere Stimme bescheinigt.
Jagjit Singh singt in unzähligen indischen Filmen, hat für viele Filme die Musik geschrieben und ca. 50 Ghasel-Alben herausgebracht. Sein Repertoire umfasst aber auch Gott preisende Hymnen der Hindus (Bhajans) und der Sikhs (Gurbani). Außerdem betätigt er sich aktiv in der Talentförderung.
Wegen der beruhigenden Wirkung seiner Stimme auf angespannte Nerven „verordnen“ gerade in den indischen Großstädten viele Psychologen seine Musik gegen den Stress.
Ghasel
Das Ghasel oder die Ghasele (auch Gasel; von arab. ghasala = (Garn) spinnen; flirten, umwerben) ist eine Liedform, die im 8. Jahrhundert im südasiatischen Raum zwischen Indien und Persien entstanden ist. Seit dem 19. Jahrhundert wird es auch als Reimschema in der deutschsprachigen Lyrik verwendet.
Ein Ghasel besteht aus einer Folge von zweizeiligen Strophen, deren zweiter Vers immer den in der ersten Strophe angewandten Reim hat („wiederkehrender“ oder „rührender“ Reim):
Reimschema = a a - b a - c a - d a - e a - f a
In der ursprünglichen Form des Ghasel trägt jedes dieser Verspaare eine eigene Bezeichnung und hat eine spezielle, streng festgelegte Funktion. Der Begriff lässt sich bis in die klassische arabische Lyrik zurück verfolgen. Im Arabischen bezeichnet 'ghazal' wie auch 'tagazzul' das erotische Sprechen in der Lyrik, die Ansprache des Dichters an die abwesende Geliebte.
Als terminus technicus wurde 'ghazal' erst in der persischen Lyrik gebraucht; dort bezeichnet er seit etwa dem 13. Jahrhundert eine Gedichtform mit Paarreim der ersten beiden Halbverse und durchgehendem Reim aller ganzen Verse, so wie dies dann ins Deutsche übernommen wurde. Aus dem Persischen wurde die Gedichtform in den folgenden Jahrhunderten ins Türkische (Osmanisch, Tschaghataiisch), ins Kurdische, Paschtu, Urdu, zahlreiche andere indische und sonstige Sprachen übernommen.
Unter dem prägenden Einfluss der großen persischen Ghaselendichter Rumi, Saadi und Hafis entwickelte sich die Poetik des Ghasels zu einem strengen und hochkomplexen System von Form- und Sinnbeziehungen. Der ursprünglich erotische Gehalt der Lyrik wurde von dichtenden Mystikern und mystischen Dichtern mit religiösen Inhalten amalgamiert, so dass sich bald nicht mehr klar unterscheiden ließ, was weltliche Erotik und was mystische Gottesliebe zum Ausdruck bringen sollte.
Vom 16. Jahrhundert an wurde die Ghaselendichtung im sogenannten indischen Stil zu einem derart komplexen und selbstreflexiven System, dass sie für Ungeübte kaum mehr verständlich war. Hervorragende Vertreter dieses Stils sind Sâ'eb (persisch), Nâ'ilî-i qadîm (Osmanisch) und Ghalib (Urdu).
In Pakistan und auf dem indischen Subkontinent ist das Ghasel heute eine Gedichtform des Qawwali, einer Musikform, die sich bis ins Mittelalter zurückverfolgen lässt. Als solche ist sie nicht nur über die Form, sondern auch über den Inhalt definiert. Der Inhalt wurde oft improvisiert; Themen waren ursprünglich die Gottes- und die Nächstenliebe.
Mit zunehmender Säkularisierung und auch Kommerzialisierung dieser Liedform setzte sich die romantische Liebe zu einer Frau als einziges Thema des Ghasel durch.
In der deutschsprachigen Literatur trat das Ghasel zunächst in Übersetzungen persischer Lyrik auf. Auch Goethe versuchte sich während seiner Arbeit am West-Östlichen Divan daran, fand jedoch keinen Gefallen an der starren Form.
Im 19. Jahrhundert waren Ghaselen als Probe dichterischer Kunstfertigkeit (Virtuosität) recht beliebt, etwa bei August von Platen, Theodor Storm, Detlev von Liliencron. Sie übernahmen jedoch nur die Form, nicht die inhaltliche Tradition; Platen etwa benutzte es für lyrische Stimmungsbilder. Denkbar ist auch, dass es wegen seiner „fremden“, exotischen Herkunft eingesetzt wurde.
Der Dichter, Übersetzer und Orientalist Friedrich Rückert benutzte das Ghasel zunächst in seinen freien Übertragungen „arabischer“ Dichtkunst. Als eigenständige Form findet es sich in seinen Kindertodtenliedern, die u. a. von Gustav Mahler vertont wurden. Musikalische Ghaselen komponierten Franz Schubert, Felix Draeseke und Arnold Schönberg (Op. 6 Nr. 5).
Gerade weil es im Deutschen sehr manieriert wirkt, entdeckten es auch manche Dichter des literarischen Fin de siècle für sich, etwa Hugo von Hofmannsthal. Als besonders strenge Form genügte das Ghasel der Forderung der l'art pour l'art, dass die Poesie eine eigene Welt mit eigenen inneren Gesetzen bilden müsse.
Beispiel:
In der ärmsten kleinen Geige liegt die Harmonie des Alls verborgen, a Liegt ekstatisch tiefstes Stöhnen, Jauchzen süßen Schalls verborgen; a
In dem Stein am Wege liegt der Funke, der die Welt entzündet, b Liegt die Wucht des fürchterlichen, blitzesgleichen Pralls verborgen. a
In dem Wort, dem abgegriffnen, liegt was mancher sinnend suchet: c Eine Wahrheit, mit der Klarheit leuchtenden Kristalls verborgen ... a
Lockt die Töne, sticht die Wahrheit, werft den Stein mit Riesenkräften! d Unsern Blicken ist Vollkommnes seit dem Tag des Sündenfalls verborgen. a
Hugo von Hofmannsthal, 1891
Hofmannsthal nutzte hier die Form des Ghasel, um immer wieder zu einem bestimmten „Mittelpunkt“ zurückzukehren und damit ein Element des Gedichts besonders zu betonen (hier „verborgen“). So kann die kreisende Bewegung des Reimes einen beschwörenden Tonfall erzeugen.
Quelle: WIKIPEDIA.de
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